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Sedierung

Was bedeutet Sedierung?

Sedierung bedeutet die Gabe von Medikamenten zur Beruhigung oder Schlaferzeugung. Sie stellt einen Mittelweg zwischen Wachzustand und tiefer Narkose dar. Die von uns verwendeten Medikamente erlauben einen je nach Erfordernissen abgestuften Zustand von angenehmer wacher Entspannung bis hin zu einem tiefen Schlaf; durch Verwendung kurz wirksamer Substanzen kann die Wirkung situativ gesteuert werden. Eine Vollnarkose, wie sie im Rahmen von Operationen erfolgt, ist für eine Endoskopie nicht nötig und würde das Sedierungsrisiko unnötig vergrößern.

Wozu Sedierung?

Viele Patienten wünschen für endoskopische Untersuchungen ein Beruhigungs- oder Schlafmittel, teils auf Grund früherer Erfahrungen, teils aus Angst vor einem unangenehmen Untersuchungsablauf. Die Argumente hierfür sind neben dem höheren Patientenkomfort auch bessere Arbeitsbedingungen für das Untersuchungsteam sowie eine höhere Akzeptanz z.B. für Vorsorgeuntersuchungen auf Grund positiver Patienten-Erlebnisberichte.

Was könnte dann gegen eine Sedierung sprechen?

Dem gegenüber stehen eigene, wenn auch geringe Risiken von Beruhigungs- und Schlafmitteln. Nicht zuletzt durch das tragische Schicksal von Michael Jackson ist das allgemeine Bewusstsein für mögliche Gefahren derartiger Medikamente gestiegen. Alle verwendeten Medikamente können eine Dämpfung der Atmungs- und Kreislauftätigkeit sowie in seltenen Fällen Unverträglichkeitsreaktionen bewirken. Überdies ist die Reaktionsfähigkeit noch für einige Stunden beeinträchtigt, so dass u.a. die Führung eines Fahrzeugs (auch Fahrradfahren!) streng verboten ist. Aus diesen Gründen sollte immer eine bewusste und kritische individuelle Abwägung von Vor- und Nachteilen einer Sedierung erfolgen.

Endoskopie bei starkem Übergewicht

Endoskopische Untersuchungen sind üblicherweise unter Praxisbedingungen sicher durchführbar, ob mit oder ohne Sedierung (Beruhigungs- oder Schlafspritze). Einschränkungen gelten beim Vorliegen bestimmter Vorerkrankungen (z.B. schwere Einschränkungen der Herz- oder Lungenfunktion, anatomische Besonderheiten). Einen Sonderfall stellt krankhaftes Übergewicht dar. Dieses kann bei der Endoskopie zu einer lebensbedrohlichen Behinderung der Atmung führen und bei Darmspiegelungen die Handhabung des Endoskops so sehr erschweren, dass eine vollständige Beurteilung des Dickdarms unmöglich ist. In dem seltenen Fall eines Sedierungszwischenfalls können die üblichen Wiederbelebungsmaßnahmen stark erschwert bis unmöglich sein. Aus diesem Grund gilt ein Body Mass Index (BMI) von 40 gemäß der Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften als absolute Obergrenze für ambulante Endoskopien; im Einzelfall kann auch ein schon geringerer BMI die Ablehnung einer Untersuchung unter ambulanten Bedingungen begründen. In solchen Fällen muss die Untersuchung dann in einem Krankenhaus mit ausdrücklicher Mitbetreuung durch einen Narkosearzt (Anästhesisten) erfolgen. Dies geschieht nicht aus Schikane, sondern zu Ihrer Sicherheit. Überdies sind die üblichen Untersuchungsliegen für eine Maximalbelastung von 150 kg ausgelegt und zugelassen.

Die Formel zur Berechnung des BMI lautet:

(Körpergewicht in kg) : (Körpergröße in Metern)2

Beispiele für einen BMI von 40 sind:
Körpergewicht 100 kg, Größe 1,58 m
Körpergewicht 120 kg, Größe 1,73 m
Körpergewicht 140, Größe 1,80 m

Wann ist eine Sedierung sinnvoll?

Eine Magenspiegelung (Gastroskopie) ist nicht schmerzhaft und dauert in der Regel nur ca. 5 Minuten; trotz der routinemäßigen örtlichen Betäubung von Zunge und Rachen wird der durch das Endoskop verursachte Würgereiz jedoch von manchen Patienten als sehr unangenehm erlebt. In diesem Fall kann eine Sedierung erforderlich oder ratsam sein. Eine Darmspiegelung (Koloskopie) dauert in der Regel 10-20 Minuten (in seltenen Fällen länger). Die weitaus meiste Zeit der Untersuchung wird als völlig schmerzfrei oder allenfalls etwas unangenehm erlebt. Da der Dickdarm aber im Bauch geschlängelt und kurvenreich verläuft, kommt es beim Vorschub des Endoskops durch Kurven oder Verwinkelungen zu teils stärkeren Schmerzempfindungen, die in der Regel einige Sekunden andauern und danach wieder abklingen. Solche Momente treten im Verlauf einer Untersuchung meist mehrfach auf. Besondere Schwierigkeiten sind zu erwarten, wenn größere Voroperationen im Unterbauchbereich (z.B. gynäkologische Operationen) oder wiederholte Entzündungen von Darmaussackungen (Divertikeln) stattgefunden haben oder narbige Verwachsungen anderer Ursache vorliegen. In diesen Fällen ist eher eine schmerzhafte Untersuchung zu erwarten, so dass diese ohne eine Sedierung kaum möglich ist.

Wer darf Sedierungen durchführen?

Die Durchführung von Sedierungen setzt neben einer besonderen apparativen Ausstattung und definierten Organisationsabläufen eine besondere Erfahrung und Qualifikation des endoskopierenden Arztes und seines Assistenzpersonals voraus, die regelmäßig die Beherrschung von Sedierungszwischenfällen und Notfallsituationen trainieren müssen. Diese Voraussetzungen sind in unserer Praxis vollständig erfüllt.

 

Hier finden Sie die vollständige Leitlinie sowie den Patientenflyer der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) zur Sedierung in der Endoskopie:

DGVS-Patientenflyer Sedierung 

DGVS-Patientenleitlinie Sedierung

DGVS-Leitlinie Sedierung (Volltext)