Drucken

Endoskopie

Was ist Endoskopie?

Der Begriff Endoskopie leitet sich von den griechischen Wörtern "endos"=das Innere und "skopein"=schauen ab. Die gängige deutsche Übersetzung „Spiegelung“ entstammt einer Zeit, als tatsächlich mittels langer Instrumente Spiegel in den Körperhöhlen eingebracht wurden, über die einerseits von außen Licht ins Körperinnere geleitet wurde und andererseits die in der Tiefe liegenden Organstrukturen von außen betrachtet wurden. Einfachstes Bespiel hierfür ist der Kehlkopfspiegel des HNO-Arztes. Auch innere Organe wie Speiseröhre, Magen und Luftröhre wurden schon um 1900 auf diese Weise mit starren Rohren untersucht–-wie man sich leicht vorstellen kann, mit erheblicher Belästigung der Patienten und begrenzter Aussagekraft.

Eine neue Ära des Endoskopie brach an, als in den frühen sechziger Jahren in Japan erste flexible, also biegsame und steuerbare, Geräte (Endoskope) entwickelt wurden, die Licht und Bildinformation nicht mehr über Spiegelsysteme, sondern über Glasfaserbündel (Lichtleiter) transportierten. Ab dieser Gerätegeneration ist der Begriff der „Spiegelung“ somit genau genommen nicht mehr gerechtfertigt, hat sich aber dennoch im Sprachgebrauch erhalten. Das zur Beleuchtung der dunklen Körperhohlräume nötige Licht wurde nun in einer so genannten Kaltlichtquelle (die eine Überwärmung des Organs vermied) außerhalb des Körpers erzeugt und über Glasfaserbündel im Endoskop zum Organ geleitet. Umgekehrt wurde das nun im Körperinneren sichtbare Bild über ein weiteres Glasfaserbündel im Endoskop nach außen zu einer Betrachtungslinse (Objektiv) geleitet, in die der Untersucher hineinschaute. Ein Nachteil dieser Methode war vor allem, dass weitere Personen das Untersuchungsbild nicht oder nur unter Einbuße an Bildqualität mitbetrachten konnten.

Eine wesentliche technische Verbesserung brachte die Erfindung der digitalen Fotografie, die es nun erlaubte, einen nur wenige Quadratmillimeter großen Kamerachip an der Spitze des Endoskops ins Körperinnere einzubringen. Die von diesem gewonnenen Bilder werden durch das Endoskop zu einem Videoprozessor geleitet, der ein hoch auflösendes Bild auf einem Fernsehmonitor erzeugt. Auf diese Weise können Befunde sowohl weiteren Personen (z.B. dem ganzen Untersuchungsteam) demonstriert als auch zur späteren Beurteilung elektronisch archiviert oder ausgedruckt werden.
        
Da auch die Videotechnologie rasant fortschreitet, haben inzwischen weitere Verbesserungen, z.B. Zoom-Endoskopie, HDTV, elektronische Kontrastverstärkungstechniken und Narrow Band Imaging (NBI), in die Endoskopie Einzug gehalten.



Was kann Endoskopie?

Endoskopie bei starkem Übergewicht

Endoskopische Untersuchungen sind üblicherweise unter Praxisbedingungen sicher durchführbar, ob mit oder ohne Sedierung (Beruhigungs- oder Schlafspritze). Einschränkungen gelten beim Vorliegen bestimmter Vorerkrankungen (z.B. schwere Einschränkungen der Herz- oder Lungenfunktion, anatomische Besonderheiten). Einen Sonderfall stellt krankhaftes Übergewicht dar. Dieses kann bei der Endoskopie zu einer lebensbedrohlichen Behinderung der Atmung führen und bei Darmspiegelungen die Handhabung des Endoskops so sehr erschweren, dass eine vollständige Beurteilung des Dickdarms unmöglich ist. In dem seltenen Fall eines Sedierungszwischenfalls können die üblichen Wiederbelebungsmaßnahmen stark erschwert bis unmöglich sein. Aus diesem Grund gilt ein Body Mass Index (BMI) von 40 gemäß der Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften als absolute Obergrenze für ambulante Endoskopien; im Einzelfall kann auch ein schon geringerer BMI die Ablehnung einer Untersuchung unter ambulanten Bedingungen begründen. In solchen Fällen muss die Untersuchung dann in einem Krankenhaus mit ausdrücklicher Mitbetreuung durch einen Narkosearzt (Anästhesisten) erfolgen. Dies geschieht nicht aus Schikane, sondern zu Ihrer Sicherheit. Überdies sind die üblichen Untersuchungsliegen für eine Maximalbelastung von 150 kg ausgelegt und zugelassen.

Die Formel zur Berechnung des BMI lautet:

(Körpergewicht in kg) : (Körpergröße in Metern)2

Beispiele für einen BMI von 40 sind:
Körpergewicht 100 kg, Größe 1,58 m
Körpergewicht 120 kg, Größe 1,73 m
Körpergewicht 140, Größe 1,80 m

Was kann Endoskopie nicht?

Die Zukunft?

Seit einigen Jahren werden Verfahren erprobt, die in kombinierter endoskopischer und chirurgischer Technik eine Weiterentwicklung der minimal-invasiven Chirurgie darstellen, im Gegensatz zu dieser jedoch natürliche Körperöffnungen als Zugang zum Körperinneren nutzen. Diese als NOTES (natural orifice transluminal endoscopic surgery) bezeichnete Technik steht noch am Anfang ihrer Entwicklung und muss sich an den ausgezeichneten Ergebnissen der etablierten minimal-invasiven Chirurgie messen lassen. Ihr zukünftiger Stellenwert lässt sich trotz viel versprechender erster Ergebnisse heute noch nicht abschätzen.